Von Vincent Cheung, Ausschnitt aus „Reflections on Second Timothy“, Gedanken über den zweiten Timotheusbrief.

Gott existiert und wir sind seine Schöpfung. Gewiss, Er ist nicht nur eine metaphysische Kraft, sondern auch eine persönliche Intelligenz. Wenn Christen über Gott nachdenken, dann tun sie das mit dem Schwerpunkt darauf, dass Er eine Person ist. Oft wird geglaubt, dass Er nur teilweise eine Macht ist. Sie glauben dass Gott mächtig ist, ja, sogar allmächtig. Doch sie versuchen Gott davon zu distanzieren, die unmittelbare, völlige und sogar alleinige metaphysische Ursache alles Bösen zu sein. Natürlich steht dies nicht im Einklang mit ihrem Bekenntnis der Allmacht Gottes und sie beleidigen Gott damit. Die Folge davon ist, dass es eine weitere metaphysische Kraft geben muss, welche ohne Gottes unmittelbare Kontrolle beständigen Einfluss auf das Universum ausübt. Diese Kraft operiert auf Gottes Erlaubnis hin, so wird gesagt, doch hier ist auch schon das Ende von Gottes Beteiligung daran.

Das Ergebnis ist eine Form des Dualismus. Der Dualismus ist die Sicht, dass es zwei ultimative Kräfte gibt die das Universum regieren – die eine Kraft ist gut und die andere böse. Beide stehen in einem ständigen Konflikt zu einander. Diese Irrlehre wird von christlichen Theologen verworfen aber auf der anderen Seite vertreten sie selbst eine Form des Dualismus. Zugegebenermaßen besagt diese Form des Dualismus nicht, dass die beiden Kräfte gleich stark sind, sondern dass die böse Kraft dem „gestattenden Willen“ der guten Kraft untergeordnet ist. Es ist die gute Kraft die „gestattende Beschlüsse“ trifft um alle Operationen der bösen Kraft zu verfügen. Doch trotzdem übt die gute Kraft keinen direkten Einfluss über die gesamte Schöpfung aus. Aus unerklärlichen Gründen ist die böse Kraft dumm genug, die Pläne der guten Kraft, durch die Ausübung des Bösen, in der genauen Art und Weise und zu dem genauen Grad, welcher ihm erlaubt ist, zu erfüllen – und dies, obwohl die gute Kraft der bösen Kraft lediglich erlaubt, das Böse zu tun. Zu keiner Gelegenheit bleibt die böse Kraft fern vom Bösen um der guten Kraft die Stirn zu bieten.

Natürlich ist diese Theorie vollkommener Nonsens. Und doch wird sie von vielen theologischen Seminaren, inklusive beinahe aller Versionen des Calvinismus, der ja gerade behauptet, die absolute Souveränität Gottes zu ehren, in der einen oder anderen Form propagiert. Doch diese populäre Form des Calvinismus versagt gänzlich und sucht seinen Zufluchtsort in Paradoxe und Widersprüchen. Seine Feinde spotten zu recht über dieses lächerliche Lehrgebäude obgleich sie selbst eine viel schwächere Sicht der Souveränität Gottes haben. Die alleinige Sicht die der biblischen Offenbarung und notwendiger Schlussfolgerung treu ist und zur gleichen Zeit dem Dualismus ausweicht, ist die Sicht die besagt, dass Gott einen totalen, aktiven, direkten und ursächlichen metaphysischen Einfluss über seine gesamte Schöpfung ausübt. Dies schließt natürlich alles Böse mit ein. Gott ist der Autor der Sünde und des Bösen. Diese Sicht ist tadellos, weil es kein göttliches Gesetzt gibt, dass Gott verbietet, nicht der Autor der Sünde und des Bösen zu sein. Gott selbst ist der Standard der Gerechtigkeit. Daraus folgt, es ist gerecht ,dass Gott der Autor der Sünde und des Bösen ist.

Obwohl Theologen von Gott als eine Person denken, scheitern sie dabei von Ihm als eine alles umfassenden Kraft zu denken. Er ist die einzige Kraft die etwas erschaffen kann, es auch erhalten kann und die an irgend etwas im Universum, ganz gleich was, etwas ändern kann. Demgegenüber können wir Geschöpfe nicht einmal eines unserer Haare weiß oder schwarz machen (Matthäus 5,36). Sie denken von Gott nicht als eine alles umfassende Kraft der auch vollkommen eine Person ist, sondern sie denken von Gott als eine sehr mächtigen Person. Daher legen sie an Gott leichtfertig einen menschlich-ethischen Maßstab an und richten Ihn nach dem selben Maßstab mit dem sie sich selbst richten. Sie leugnen, dass Gott Gott ist. Doch wenn Gott nicht diese alles umfassende Kraft ist, dann sind wir beim Dualismus. Aber wenn Gott tatsächlich diese alles umfassende Kraft ist und wenn das Böse in diesem Universum existiert, dann ist Er nach metaphysischer und logischer Notwendigkeit der Autor der Sünde und des Bösen. Es gibt kein Entkommen von dieser Schlussfolgerung. Alles was nicht an diese Sicht heranreicht ist Blasphemie gegen das Wesen und die Majestät des Höchsten. Diese Blasphemie wird von nahezu der gesamten Christenheit in Ehren gehalten.

Zur Vertiefung und Darlegung der hier genannten Lehren seien folgende Werke empfohlen:

Systematic Theology, Ultimate Questions, The Author of Sin, Blasphemy and Mystery, God the Author -> Library

Von Vincent Cheung

Denn solches ist gut und angenehm vor Gott unsrem Retter, welcher will, daß alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.“ (1Tim 2,3-4)

Im Neuen Testament liegt eine starke Betonung darauf, dass das Evangelium in einem bestimmten Sinn „für alle Menschen“ ist und dass Gott „alle Menschen“ retten will. Klar ist, in welchem Sinn es gemeint ist. Dennoch wurde diese Betonung oftmals falsch dargestellt, weil viele Menschen nachlässig und unehrlich bei der Auslegung der Schrift sind, indem sie es unterlassen die Zusammenhänge solcher Passagen und die biblischen Motive, die für eine korrekte Auslegung relevant sind, zu beachten.

Zur Verdeutlichung, die Schrift lehrt, dass der Arm Gottes nicht zu kurz ist. Es wäre naiv daraus zu schlussfolgern, dass Gott einen physischen Arm oder gar einen physischen Körper hat. So eine Schlussfolgerung nimmt den Text der Schrift nicht ernst, sondern missachtet das Gesamtzeugnis der Schrift über das Wesen Gottes, welcher Geist und ohne eine physische Form und Materie ist. Wenn der Text im Zusammenhang der ganzen Schrift gelesen wird, dann wird deutlich, dass dieser Ausdruck eine Metapher ist, die ausdrücken soll, dass Gottes Kraft groß und sein Einflussbereich umfangreich ist.

Nun wenden wir uns zwei Details in Paulus’ Aussage zu. Das Erste ist seine Erwähnung von Gottes Willen und das Zweite ist die Bedeutung von „alle Menschen“. In dieser kurzen Abhandlung können wir nicht alle Details behandeln, doch wir können zu einem Schluss kommen, der uns befähigt, die Hauptlektion dieser Textpassage zu verstehen.

Die Bibel lehrt, dass Gott alles beschließt zu tun, was Er sich wünscht und dass Er alles ausführt, was Er beschließt. Mit anderen Worten, wenn Gott etwas wünscht wird es gewiss passieren. Niemand kann Seiner Macht widerstehen. Seinen Plan kann nichts durchkreuzen. Daraus folgt, wenn Gott „alle Menschen“ in dem Sinn retten will, dass Er es auch beschließt, dann sollen gewiss „alle Menschen“ gerettet werden.

Eine weitere mögliche Interpretation des Willens Gottes in diesem Vers ist, dass Paulus sich auf Gottes moralisches Gebot bezieht. Ein moralisches Gebot ist lediglich eine Definition von Recht und Unrecht und von Pflicht. Es beschreibt weder was Gott beschlossen hat, was passieren soll, noch sagt es, was Er bewirken will. Als Paulus den Athenern (Anm. d. Übersetzers: siehe Apostelgeschichte Kapitel 17, Paulus’ Rede auf dem Aeropag) sagte, dass Gott nun allen Menschen überall befiehlt Buße zu tun, meinte er nicht, dass Gott nun bewirkt dass alle Menschen überall Buße tun, sondern, dass Er allen Menschen überall gebietet Buße zu tun. Selbstverständlich war Buße eine Forderung von Anfang an, doch bis zu dieser Zeit hatte Gott noch nicht bewirkt, dass dieser Befehl allen Menschen überall kundgetan wird.

Nun gibt es auch zwei mögliche Bedeutungen für „alle Menschen“. Paulus könnte alle Individuen meinen, das heißt jede einzelne Person der gesamten Geschichte. Oder Paulus spricht im Einklang mit der ganzen Schrift und bezieht sich auf alle Arten von Individuen, das heißt, Individuen aus jeder Rasse, jedem Geschlecht, jeder Klasse und jeder weiteren Klassifikation. Was er hier meint, bestimmt auch die mögliche Bedeutung von Gottes Willen. Zur Verdeutlichung, wenn Paulus alle Individuen meint, dann kann er nicht Gottes Ratschluss meinen wenn er davon spricht, dass Gott alle Menschen retten will. Der Grund dafür ist, dass Gottes Ratschluss immer wirksam ist. Wenn Gott beschließt alle Individuen zu retten, dann werden alle Individuen gerettet werden. Doch viele Schriftstellen lehren uns, dass abertausende Individuen nicht gerettet werden. Daraus folgt, wenn Paulus alle Individuen meint, dann kann er sich nicht gleichzeitig auf Gottes Ratschluss beziehen. Diese Kombination ist ausgeschlossen.

Wenn Paulus sich auf alle Individuen bezieht, dann muss sich seine Erwähnung von Gottes Willen auf Gottes moralisches Gebot beziehen. Das heißt, wenn Paulus von allen Individuen spricht, dann geht es ihm darum, dass es Gottes Befehl ist, dass alle Individuen das Evangelium glauben. Für sich genommen ist wahr, da Gott tatsächlich von jedermann fordert, an das Evangelium zu glauben. Wie auch immer, in diesem Vers ist diese Kombination unwahrscheinlich, weil das nicht die Redeweise ist, die Paulus verwendet. Er sagt nicht, Gott „will“, dass „alle Menschen“ glauben, sondern, dass Er will, dass „alle Menschen“ gerettet werden. Wenn Paulus an eine moralische Pflicht denkt, dann wäre der Gebrauch der Ausdrücke „Glauben“ und „Buße“ geeigneter und so sprach er zu den Athenern. Da es unwahrscheinlich ist, dass Paulus Gottes moralisches Gebot meint, ist es auch unwahrscheinlich, dass er hier sagt, dass Gott von allen Arten von Menschen fordert, dass sie gerettet werden.

Die einzige Kombination, die dem Text gerecht wird ist die, dass Paulus Gottes Ratschluss und nicht Gottes moralisches Gebot meint, und dass er Gottes Ratschluss alle Arten von Menschen zu retten, und nicht alle Individuen, meint. Mit anderen Worten, es ist Gottes Ratschluss, dass alle Arten von Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. Weil dies sein Ratschluss ist, wird es auch passieren. Und in der Tat passiert dies seit der Zeit des Apostels. Dies befindet sich nicht nur im Einklang mit der Betonung des restlichen Neuen Testaments, sondern stimmt auch mit dem unmittelbaren Kontext überein. Wenn Paulus die Gläubigen auffordert „für jedermann“ zu beten, meint er alle Arten von Menschen, nicht nur für die Armen und Unterdrückten, sondern auch „für Könige und die in hoher Stellung“. Einige Verse später schreibt Paulus, dass er ein Lehrer der Heiden ist. Dies stimmt wiederum mit seiner anhaltenden Betonung überein, dass die Wahrheit nicht allein den Juden gepredigt werden soll.

Das Neue Testament tritt den Einschränkungen wiederholt entgegen, die die Menschen an die Reichweite der Errettung legen und es drängt sie dazu ihr Denken zu erweitern. Menschen unterhalten diese Einschränkungen in ihrem Verstand aufgrund von Vorurteilen, elitaristischer Einstellung, Traditionen und so weiter, doch die Einschränkungen wurden nicht auf Individuen als solche angewandt, sondern auf ganze Gruppen von Menschen definiert nach Rasse, Geschlecht, Klasse und anderen Kategorien. Mit anderen Worten, wenn die Bibel von dem Atem der Gnade Gottes spricht, hat sie nicht eine Debatte wie „einige Individuen vs. alle Individuen“ sondern eine Debatte über „einige Gruppen vs. alle Gruppen“ im Sinn.

Tatsach ist, wenn es um Individuen geht, besteht die Bibel darauf, dass Gott nicht will und nicht beschlossen hat, alle Individuen zu retten. Sie sagt sogar im Römerbrief Kapitel 9, dass Gott ausdrücklich einige Individuen zum Verderben bereitet hat und ihre individuelle Verdammnis beschlossen hat. Daher ist der „einige Individuen vs. alle Individuen“ Kontrast in unserem Text nicht das Thema und ist auch niemals der Kontext wenn gesagt wird, dass Gott „alle“ retten will.

Viele Menschen sind dem Denken der biblischen Schreiber entfremdet und stülpen dem Text ihre eigenen Kategorien über. Ihr eigenes Denken dreht sich ständig um die Rettung von Individuen und sie glauben die Bibel meine alle Individuen wenn sie von „allen Menschen“ spricht. Sie nehmen die Schrift in Beschlag um ihre eigene Agenda voranzutreiben. Dabei verdrehen sie die wahre Intention und Bedeutung der Schrift, rauben ihr ihre Kraft und Weisheit und glauben sie erweisen Gott einen Dienst durch die Verbreitung der Irrlehre, Gott wolle alle Individuen retten. Demgegenüber steht das wahre Anliegen der Apostel, die Vorurteile der Menschen abzubauen und ihre Einstellung bezüglich der Arten von Menschen die Gott beschlossen hat durch seinen Sohn Jesus Christus zu retten, zu korrigieren.

Über den Autor

Vincent Cheung ist Autor von mehr als dreißig Büchern wie auch von hunderten Vorträgen und Predigten über ein weites Themengebiet. Unter seinen Veröffentlichungen sind grundlegende Texte über christliche Theologie, Philosophie, Apologetik, praktisches Leben als Christ und eine wachsende Anzahl an Kommentaren zu biblischen Büchern. Er ist der Lehre der Inspiration und Unfehlbarkeit der Schrift verpflichtet und folglich allen Lehren der Schrift – dass Gott über allen Dingen und jeden Verstand souverän ist, dass der Nichtchrist Ungerecht und ohne Verstand ist, dass Jesus Christus der einzige Weg zur Errettung ist, dass der Gläubige ewiges Leben hat und in den Himmel aufgenommen wird und dass der Ungläubige zu ewigen Qualen im Feuer der Hölle verdammt ist. Durch seine Veröffentlichungen rüstet er Christen dazu aus, die biblische Weltanschauung als ein allumfassendes und kohärentes Denksystem – offenbart von Gott in der Bibel, zu verstehen, umzusetzen und voranzutreiben. Er und seine Frau Denise, wohnen in Boston, Massachusetts.

Von Vincent Cheung

„Jerusalem, Jerusalem, die du die Propheten tötest und steinigst, die zu dir gesandt sind! Wie oft habe ich deine Kinder sammeln wollen, wie eine Henne ihre Küken unter die Flügel sammelt, aber ihr habt nicht gewollt!“


Wenn Arminianer gegen biblische Lehren wie der göttlichen Souveränität, Erwählung, Verwerfung und ähnliche argumentieren, erwähnen sie oft diesen Vers um ihre Position zu untermauern. Was Jesus „wollte“ ging nicht in Erfüllung, weil die Menschen „unwillig“ waren. Dies soll zeigen, dass der Mensch einen freien Willen besitzt, welcher den göttlichen Willen überwinden kann, so dass Gottes Wunsch letztlich enttäuscht werden kann und dass seiner Gnade erfolgreich widerstanden werden kann. Nachfolgendes wird keine bestimmte biblische Sichtweise zeigen, sondern soll nur dazu dienen zu zeigen, dass dieser Vers nicht gebraucht werden kann, um den Arminianismus zu befürworten .

Was den Calvinismus betrifft, werden wir zwei Formen unterscheiden. Wir werden eine die biblische oder konsistente Sicht nennen und die andere Form die populäre oder inkonsistente.

Konsistenter Calvinismus stimmt mit der Schrift darin überein, dass göttliche Souveränität unvereinbar mit menschlicher Freiheit ist. Und da die Schrift lehrt, dass Gott absolut souverän ist, zerstört und schließt das menschliche Freiheit vollständig aus. Der Mensch hat keinen freien Willen, er ist ganz und gar nicht frei! Es ist wahr, dass der Mensch seinen Willen ausübt. Er trifft Entscheidungen, aber sein Wille ist nicht frei. Vielmehr wird sein Wille – wie und welche Entscheidungen er trifft, direkt und kontinuierlich von Gott gesteuert, zum Guten und zum Bösen, zum Glauben und zum Unglauben. Dabei ist Gott per Definition gerecht in allen Werken die er an seinen Kreaturen ausübt. Ich habe ausführliche Studien zu dieser biblischen Sicht an anderer Stelle1 bereitgestellt.

Dann gibt es die populäre Form des Calvinismus. Diese inkonsistente Sicht besagt, dass göttliche Souveränität und menschliche Freiheit irgendwie „kompatibel“ seien. Dass moralische Verantwortung ein Maß an „Selbstbestimmung“ voraussetzt. Dass Gott einander widersprechende Wünsche hat. Dass er Dinge beschließt um Ziele zu erreichen, die seinen Wünschen entgegengesetzt sind, vermutlich um zu erreichen was er sich noch mehr wünscht. Dass Gott die Verwerfung von Individuen beschließt und so den Glauben für sie unmöglich macht, aber ihnen trotzdem „aufrichtig“ die Errettung anbietet, als ob sie glauben könnten. Dass Gott irgendwie über dem Bösen herrscht, doch in keinerlei direkter und kausaler Beziehung zum Bösen steht. Dass Adam unschuldig und unfähig zum Bösen geschaffen wurde, aber trotzdem böses tun konnte, ohne dass Gott es bewirkt hätte, so dass wir die Realität des Bösen bejahen können, aber verneinen, dass Gott eine direkte und ursächliche Kraft über dem Bösen ausübt, ohne dabei dem Deismus oder Dualismus zu verfallen. Dass wir beide Seiten eines „scheinbaren“ Widerspruchs glauben können und dass die Schrift „scheinbar“ widersprüchliche Lehren lehrt, die doch in Gottes Verstand keine echten Widersprüche sind. Wir werden keinen Versuch unternehmen, dieses unbiblische und irrationale Verwirrungspaket zu verteidigen.

Zu Beginn werden wir den Kontext herausstellen, indem unser Vers steht. Es ist ratsam das gesamte Kapitel 23 des Matthäus Evangeliums vorher zu lesen, doch wenn du die Geduld nicht aufbringen kannst, lies es nach diesem Artikel. Es wird dir helfen unsere Argumente besser zu verstehen. Lukas 13:34 ist ein Parallelvers. Dort ist der Kontext sehr ähnlich, so das eine gesonderte Behandlung nicht notwendig ist. Aus diesem Grund werde ich den Parallelvers in unserer Abhandlung hier nicht behandeln. Wenn wir mit unserer Diskussion über Matthäus 23:37 fertig sind, wirst du keine Schwierigkeiten mehr mit Lukas 13:34 haben.

Zu Beginn des Kapitels, in den Versen 1-12, trifft Jesus einigen Aussagen über die Heuchelei der Schriftgelehrten und Pharisäer. Er sagt, insofern sie das Gesetzt lehren, müssen die Menschen ihnen gehorchen. Dann fügt er hinzu, „macht es ihnen nicht gleich, denn sie reden Dinge, aber selbst tun sie nicht danach. Sie binden schwere Bürden auf die Schultern der Menschen, doch sie selbst sind nicht willig, sie auch nur mit einem Finger zu tragen“ (V. 3-4).

In den Versen 13-32 spricht Jesus sieben Weherufe gegen sie aus, jeweils gefolgt von Anschuldigungen, die er gegen sie hat. Dieser Teil des Kapitels ist entscheidend für ein richtiges Verständnis von Vers 37. Achte beim lesen dieser Verse darauf, wie Jesus einen Weheruf nach dem anderen ausspricht und beachte mit welcher Intensität er dies tut. Beachte dann auch, an wen er die Weherufe in solch unerbittlicher Weise richtet: „Wehe euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, Heuchler!“ Beachte dass Jesus alle Anschuldigungen an „euch“ – die Schriftgelehrten und Pharisäer – richtet. Beachte ganz besonders Vers 13, „Wehe euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, Heuchler, weil ihr das Reich der Himmel vor den Leuten verschließt; ihr selber geht nicht hinein, und die hinein gehen wollen, lasst ihr nicht rein.“

In den darauf folgenden Versen 33-36, setzt er sie mit denen gleich, die durch die Geschichte Israels hindurch die Propheten ermordet haben, die Gott den Menschen gesandt hat. Er sagt, „ … damit über euch alles gerechte Blut kommt, dass auf Erden vergossen worden ist … Wahrlich ich sage euch: Dies alles wird über dieses Geschlecht kommen“ (V. 35-36). Ohne Zweifel, er bezieht sich auf die bevorstehende Zerstörung des Tempels. Der Kontext macht dies klar, denn nur wenige Verse weiter lesen wir, „Und Jesus trat hinaus und ging vom Tempel weg. Und seine Jünger kamen herzu, um ihm die Gebäude des Tempels zu zeigen. Jesus aber sprach zu ihnen: Seht ihr nicht dies alles? Wahrlich ich sage euch: Hier wird kein Stein auf dem anderen bleiben, der nicht abgebrochen wird“. Diese Vorhersage wurde 70 n. Chr. Erfüllt, in der selben Generation zu der Jesus predigte und diente, und in der selben Generation die ihn ermordete. Die Menschen wurden brutal getötet und der Tempel zerstört.

Bis zum Vers 37 hat Jesus das Thema nicht geändert. Gleich der darauf folgende Vers bezieht sich auf die Zerstörung des Tempels: „Siehe, euer Haus wird euch verwüstet gelassen werden“ (V.38). Wie wir gerade bemerkt haben, ist Jesus immer noch beim gleichen Thema wie Matthäus 24 beginnt. Mit diesem Hintergrund vor Augen sollten wir unseren Vers lesen: „Jerusalem, Jerusalem, die du die Propheten tötest und steinigst, die zu dir gesandt sind! Wie oft habe ich deine Kinder sammeln wollen, wie eine Henne ihr Küken unter die Flügel sammelt, aber ihr habt nicht gewollt!“

Hier bezieht sich „Jerusalem“ nicht auf die physikalische Stadt, noch auf jede einzelne Person in der Stadt. „Jerusalem“ wird bezeichnet als eine, die die Propheten tötet, und im Kontext sind es die Leiter der Menschen inklusive der Schriftgelehrten und Pharisäer. Sie imitieren ihre Vorväter die „die Propheten töteten“ (siehe V. 29-32). In Vers 34 kündigt Jesus an, dass er ihnen Propheten und Lehrer schicken wird und diese Leiter werden sie misshandeln, so wie ihre Vorväter die alten Propheten misshandelt haben: „Siehe, darum sende ich zu euch Propheten und Weise und Schriftgelehrten, und etliche von ihnen werdet ihr töten und kreuzigen, und etliche werdet ihr in euren Synagogen geißeln und sie verfolgen von einer Stadt zur anderen.“

Zu den „Kindern“ in Vers 37, sie sind die Menschen, die unter der Autorität und Leitung dieser Leiter leben. Religiöse und politische Leiter werden in der Schrift oft „Väter“ genannt (Apg 7:2; 22:1), und die, über welche sie Macht und Einfluss ausüben, werden „Söhne“ und „Kinder“ genannt (Mt 12:27; Jes 8:18).

Uns sollte nun auffallen, dass sich dieser Vers nicht auf den Willen oder Glauben von Individuen bezieht, das Evangelium anzunehmen, andernfalls müsste der Vers folgendermaßen lauten, „Ich wollte euch sammeln, … doch ihr wolltet nicht“, oder „ich wollte eure Kinder sammeln, … doch eure Kinder wollten nicht.“ Aber der Vers sagt: „ich wollte eure Kinder sammeln, aber ihr wolltet nicht“. Es sind nicht die „Kinder“ die widerstanden, sondern „sie“ (Anm. d. Übersetzers: „sie“ bezieht sich hier auf die Pharisäer und Schriftgelehrten) widerstanden um das Sammeln der Kinder zu verhindern. Es folgt, dass dieser Vers sich auf das selbe bezieht, was schon in Vers 13 erwähnt wurde: „ihr selbst geht nicht hinein, und die hinein wollen, die lasst ihr nicht hinein.“

Arminianer mögen behaupten, dass der Mensch frei sei und verneinen, dass Gott eine Person direkt zum Glauben oder Unglauben bewegt. Doch Gott die Kontrolle abstreitend, vermuten wir, dass selbst sie nicht so dumm sind und dann andererseits den menschlichen und politischen Führern eine direkte und innere Kontrolle über die Menschen zugestehen, als ob die Pharisäer eine größere Kontrolle als Gott über die Menschen ausüben könnten, so dass sie sich erbarmen könnten über wen sie wollten und verhärten könnten wen sie wollten. Nein, es ist offensichtlich, dass die Verse 13 und 37 sich darauf beziehen, dass die religiösen Führer die Propheten auf einer rein menschlichen und äußeren Ebene hinderten, dass ihre Botschaft zu den Menschen durchdringen konnte, und dass sie die Menschen daran hinderten die Botschaft anzunehmen. Jesus spricht von einem sozialen und äußeren Einfluss, nicht von einer metaphysischen und inneren Macht.

Es folgt dann, dass das „Ich wollte“ in Vers 37 sich ebenfalls auf Jesu Beziehung zu den Führern auf einer menschlichen und äußeren Ebene bezieht. Da ist kein Hinweis in diesem Vers, dass dem göttlichen Willen oder dem göttlichen Ratschluss erfolgreich widerstanden werden kann, bloß weil jemand „unwillig“ ist. Die Bibel lehrt klar, wenn jemand „unwillig“ ist, dass Gott ihn unwillig macht (Joh 12:40; Röm 9:18, 11:7) und wenn jemand „willig“ ist, dass Gott ihn willig macht (Joh 6:44, 65). Niemand, den Gott unwillig macht, kann kommen (Joh 6:44) und niemand, den Gott willig macht, kann fernbleiben (Joh 6:37).

Der Einwand mag aufkommen, dass was dem „Ich“ in Vers 37 zugeschrieben wird, unmöglich nicht von Jesus ausgeführt sein konnte, wenn man eine rein menschliche Ebene annimmt. Doch in nahezu jedem anderen Zusammenhang, z.B. in einer Diskussion über die Gottheit Christi, würden selbst Arminianer zugestehen, dass die Schrift nicht immer akribisch genau zwischen dem unterscheidet, was Jesu göttlicher Natur zugeschrieben wird und dem was seiner menschlichen Natur zugeschrieben wird. Wir können eine Unterscheidung machen wenn es notwendig ist, doch die Schrift legt nicht immer Wert darauf.

Zum Beispiel ist in Johannes 4:10 Jesus zugleich jemand der nach Wasser fragt und jemand der lebendiges Wasser gibt. Aber in seiner göttlichen Natur konnte Jesus nicht durstig werden. In Apostelgeschichte 3:15 spricht Petrus zu den Juden: „Ihr habt den Urheber des Lebens getötet“ (NIV). Aber Jesus konnte in seiner göttlichen Natur nicht getötet werden. Natürlich ist dies kein Problem für die Inspiration der Schrift, noch für die Gottheit Christi oder für die Lehre der Menschwerdung Jesu. Vielmehr bezeugt dies, dass die göttliche und menschliche Natur in der Tat aufs engste in Christus vereint sind, und doch bleiben sie unterscheidbar, so dass es keine Vermischung oder Verwirrung gibt. Die eine Natur wird nicht vergöttlicht, und die andere Natur wird nicht vermenschlicht.

Auf jeden Fall ist es möglich, diesen Einwand mit dem Vers selbst zu beantworten. Beachte, dass das Senden der Propheten nicht dem „ich“ zugeschrieben wird, vielmehr nur das Sammeln der Kinder wird dem „ich“ zugeschrieben. Und da das Sammeln sich auf den Dienst auf einer menschlichen und äußeren Ebene bezieht, erfordert es kein göttliches Subjekt. Die Tatsache, dass ein Dienst auf einer menschlichen Ebene widerstanden wird, sagt nichts über göttliche Souveränität oder menschliche Freiheit auf der metaphysischen Ebene aus.

Obwohl wir weitere Details an die Oberfläche bringen könnten um unsere Position zu stärken, ist unsere derzeitige Anstrengung mehr als ausreichend. Wir haben gezeigt, dass dieser Verse der Irrlehre des Arminianismus keine Unterstützung gibt. Wir drängen die Anhänger dieser Irrlehre dazu, ihr humanistisches Denken aufzugeben um die biblische Lehre zu ergreifen.

Auch kann die falsche Sicht des inkonsequenten Calvinismus hier keine Zuflucht finden, da unsere Position gleichermaßen gegen sie und ihren Missbrauch dieses Verses verwendet werden kann, zum Beispiel gegen ihre Lehren des „aufrichtigen Angebots“ (engl. sincere offer, Anm. d. Übersetzers) des Evangeliums oder der Spannung zwischen sich widersprechenden Wünschen im Verstand Gottes. Wir drängen die Anhänger dieser anti-biblischen Theologie dazu, ihr absurdes Denken zu verwerfen und letztlich alle Spuren der arminianischen Irrlehre aus ihrem Denken zu entfernen.

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1 http://www.vincentcheung.com – Systematic Theology 2003; Ultimate Questions 2004; Presuppositional Confrontations 2003 (Anm. des Übersetzers)

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Über den Autor

Vincent Cheung ist Autor von mehr als dreißig Büchern wie auch von hunderten Vorträgen und Predigten über ein weites Themengebiet. Unter seinen Veröffentlichungen sind grundlegende Texte über christliche Theologie, Philosophie, Apologetik, praktisches Leben als Christ und eine wachsende Anzahl an Kommentaren zu biblischen Büchern. Er ist der Lehre der Inspiration und Unfehlbarkeit der Schrift verpflichtet und folglich allen Lehren der Schrift – dass Gott über allen Dingen und jeden Verstand souverän ist, dass der Nichtchrist ungerecht und ohne Verstand ist, dass Jesus Christus der einzige Weg zur Errettung ist, dass der Gläubige ewiges Leben hat und in den Himmel aufgenommen wird und dass der Ungläubige zu ewigen Qualen im Feuer der Hölle verdammt ist. Durch seine Veröffentlichungen rüstet er Christen dazu aus, die biblische Weltanschauung als ein allumfassendes und kohärentes Denksystem – offenbart von Gott in der Bibel, zu verstehen, umzusetzen und voranzutreiben. Er und seine Frau Denise, wohnen in Boston, Massachusetts.

Erstens, wenn das Wort Gottes mit göttlicher Kraft in die Seele gedrungen ist, so daß die Selbstzufriedenheit zerbrochen und die Selbstgerechtigkeit aufgegeben wurde. Zweitens, der Heilige Geist überführt mich meines traurigen, schuldigen und verlorenen Zustandes. Drittens, hat er [der Heilige Geist] mir die Angemessenheit und Genügsamkeit Christi offenbart, meinem verzweifelten Zustand zu begenen und durch einen göttlich gegebenen Glauben, der mich dazu bringt IHN [Christus] zu ergreifen und auf IHM [Christus] zu ruhen als meine einzige Hoffnung. Viertens, an den inneren Zeichen meiner neuen Natur – Gott zu lieben, ein Appetit auf geistliche Dinge, ein Streben nach Heiligkeit, ein Trachten nach Christi Gesinnung. Fünftens, durch den Wiederstand der neuen Natur gegen die Alte, Haß und Ablehnung gegen Sünde. Sechstens, durch Meiden von allem was Gottes Wort verurteilt und durch aufrichtiges Bereuen und demütiges Bekennen aller Übertretungen. Versagen an diesem Punkt wird mit Sicherheit unsere Gewißheit schmälern, und der Heilige Geist entzieht sein Zeugnis. Siebtens, durch das Aufbringen allen Fleißes die christlichen Gnadengaben mit größter Sorgfalt zu gebrauchen bis zum Ende meines Lebens.

Auf diese Weise nimmt das Wissen um die Erwählung zu.

Von Arthur W. Pink, Monergism.com

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