Von Vincent Cheung, Ausschnitt aus “Reflections on Second Timothy”, Gedanken über den zweiten Timotheusbrief.
Gott existiert und wir sind seine Schöpfung. Gewiss, Er ist nicht nur eine metaphysische Kraft, sondern auch eine persönliche Intelligenz. Wenn Christen über Gott nachdenken, dann tun sie das mit dem Schwerpunkt darauf, dass Er eine Person ist. Oft wird geglaubt, dass Er nur teilweise eine Macht ist. Sie glauben dass Gott mächtig ist, ja, sogar allmächtig. Doch sie versuchen Gott davon zu distanzieren, die unmittelbare, völlige und sogar alleinige metaphysische Ursache alles Bösen zu sein. Natürlich steht dies nicht im Einklang mit ihrem Bekenntnis der Allmacht Gottes und sie beleidigen Gott damit. Die Folge davon ist, dass es eine weitere metaphysische Kraft geben muss, welche ohne Gottes unmittelbare Kontrolle beständigen Einfluss auf das Universum ausübt. Diese Kraft operiert auf Gottes Erlaubnis hin, so wird gesagt, doch hier ist auch schon das Ende von Gottes Beteiligung daran.
Das Ergebnis ist eine Form des Dualismus. Der Dualismus ist die Sicht, dass es zwei ultimative Kräfte gibt die das Universum regieren – die eine Kraft ist gut und die andere böse. Beide stehen in einem ständigen Konflikt zu einander. Diese Irrlehre wird von christlichen Theologen verworfen aber auf der anderen Seite vertreten sie selbst eine Form des Dualismus. Zugegebenermaßen besagt diese Form des Dualismus nicht, dass die beiden Kräfte gleich stark sind, sondern dass die böse Kraft dem “gestattenden Willen” der guten Kraft untergeordnet ist. Es ist die gute Kraft die “gestattende Beschlüsse” trifft um alle Operationen der bösen Kraft zu verfügen. Doch trotzdem übt die gute Kraft keinen direkten Einfluss über die gesamte Schöpfung aus. Aus unerklärlichen Gründen ist die böse Kraft dumm genug, die Pläne der guten Kraft, durch die Ausübung des Bösen, in der genauen Art und Weise und zu dem genauen Grad, welcher ihm erlaubt ist, zu erfüllen – und dies, obwohl die gute Kraft der bösen Kraft lediglich erlaubt, das Böse zu tun. Zu keiner Gelegenheit bleibt die böse Kraft fern vom Bösen um der guten Kraft die Stirn zu bieten.
Natürlich ist diese Theorie vollkommener Nonsens. Und doch wird sie von vielen theologischen Seminaren, inklusive beinahe aller Versionen des Calvinismus, der ja gerade behauptet, die absolute Souveränität Gottes zu ehren, in der einen oder anderen Form propagiert. Doch diese populäre Form des Calvinismus versagt gänzlich und sucht seinen Zufluchtsort in Paradoxe und Widersprüchen. Seine Feinde spotten zu recht über dieses lächerliche Lehrgebäude obgleich sie selbst eine viel schwächere Sicht der Souveränität Gottes haben. Die alleinige Sicht die der biblischen Offenbarung und notwendiger Schlussfolgerung treu ist und zur gleichen Zeit dem Dualismus ausweicht, ist die Sicht die besagt, dass Gott einen totalen, aktiven, direkten und ursächlichen metaphysischen Einfluss über seine gesamte Schöpfung ausübt. Dies schließt natürlich alles Böse mit ein. Gott ist der Autor der Sünde und des Bösen. Diese Sicht ist tadellos, weil es kein göttliches Gesetzt gibt, dass Gott verbietet, nicht der Autor der Sünde und des Bösen zu sein. Gott selbst ist der Standard der Gerechtigkeit. Daraus folgt, es ist gerecht ,dass Gott der Autor der Sünde und des Bösen ist.
Obwohl Theologen von Gott als eine Person denken, scheitern sie dabei von Ihm als eine alles umfassenden Kraft zu denken. Er ist die einzige Kraft die etwas erschaffen kann, es auch erhalten kann und die an irgend etwas im Universum, ganz gleich was, etwas ändern kann. Demgegenüber können wir Geschöpfe nicht einmal eines unserer Haare weiß oder schwarz machen (Matthäus 5,36). Sie denken von Gott nicht als eine alles umfassende Kraft der auch vollkommen eine Person ist, sondern sie denken von Gott als eine sehr mächtigen Person. Daher legen sie an Gott leichtfertig einen menschlich-ethischen Maßstab an und richten Ihn nach dem selben Maßstab mit dem sie sich selbst richten. Sie leugnen, dass Gott Gott ist. Doch wenn Gott nicht diese alles umfassende Kraft ist, dann sind wir beim Dualismus. Aber wenn Gott tatsächlich diese alles umfassende Kraft ist und wenn das Böse in diesem Universum existiert, dann ist Er nach metaphysischer und logischer Notwendigkeit der Autor der Sünde und des Bösen. Es gibt kein Entkommen von dieser Schlussfolgerung. Alles was nicht an diese Sicht heranreicht ist Blasphemie gegen das Wesen und die Majestät des Höchsten. Diese Blasphemie wird von nahezu der gesamten Christenheit in Ehren gehalten.
Zur Vertiefung und Darlegung der hier genannten Lehren seien folgende Werke empfohlen:
Systematic Theology, Ultimate Questions, The Author of Sin, Blasphemy and Mystery, God the Author -> Library